Hypnose bei Erinnerungslücken: Mit Hypnose sich wieder erinnern können
- Jojo Weiß

- 14. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Fallbeispiel: Wenn Erinnerungen verschwinden – und Hypnose hilft, sie wiederzufinden
Fallbeispiel: Wenn Erinnerungen verschwinden – und Hypnose hilft, sie wiederzufinden
Daniel (Name geändert), 41 Jahre alt, kam in einer Lebensphase zu mir, in der vieles gleichzeitig zu kippen schien. Beruflich unter Druck, privat in Trennung, körperlich erschöpft und geistig wie blockiert.
Er beschrieb seinen Zustand so:„Ich wache morgens auf und bin sofort müde. Ich laufe wie ferngesteuert durch den Tag. Und das Schlimmste ist – ich fange an, Dinge zu vergessen, die wichtig sind. Richtig wichtig.“
Der Verlust der Kontrolle
Daniel arbeitete als IT-Projektleiter in einem mittelständischen Unternehmen.Vor einigen Wochen hatte er die Login-Daten zu einer passwortgeschützten Kundenplattform verloren, auf die nur er Zugriff hatte. Dort lagen Rechnungen, vertrauliche Daten, Angebote – alles, was für den Betrieb essenziell war.
„Ich hab das Passwort seit Jahren im Kopf. Und plötzlich war’s einfach weg“, sagte er fassungslos.Er versuchte, es zu rekonstruieren – ohne Erfolg. Notizzettel, Passwortmanager, gespeicherte Hinweise – nichts half.
Der Druck wuchs.Die Geschäftsführung fragte täglich nach Updates, Kollegen wurden ungeduldig. Daniel schlief kaum noch und reagierte gereizt.„Ich habe mich selbst nicht mehr erkannt“, sagte er. „Mein Kopf war wie zugeschaltet, aber leer.“
Eine Kiste voller Erinnerungen
Kurz darauf kam das nächste Ereignis: Er suchte eine kleine Holzkiste, die er Jahre zuvor selbst gebaut hatte. Darin lagen alte Briefe, Fotos, eine Kette seiner verstorbenen Mutter und ein alter Schlüsselbund.Er war sich sicher, sie nach dem Umzug sorgfältig verstaut zu haben – doch sie blieb verschwunden.
Tagelang suchte er, durchwühlte Schränke, Keller, Dachboden. Jede ergebnislose Suche ließ die Unruhe wachsen.„Ich hab das Gefühl, ich verliere Stück für Stück nicht nur meine Sachen, sondern mich selbst“, sagte er erschöpft.
Er erinnerte sich nicht mehr daran, wo er die Kiste zuletzt gesehen oder hingestellt hatte. Das Bild dazu fehlte völlig. Irgendwann gab er die Suche auf – müde, frustriert, resigniert.
Ein Jahr später, als er in eine neue Wohnung zog, stand plötzlich ein alter Umzugskarton im Weg. Als er ihn öffnete, sah er die vermisste Holzkiste – sorgsam eingewickelt in Stoff und Zeitungspapier, ganz unten zwischen alten Malutensilien.„Ich hatte sie mitgenommen, ohne es zu wissen“, sagte er überrascht. „Sie war die ganze Zeit bei mir – nur versteckt.“
Der Streit, der nicht losließ
Parallel dazu beschäftigte ihn ein Streit mit seiner Ex-Partnerin, der Monate zurücklag, aber nie wirklich abgeschlossen war.Er erinnerte sich an den Verlauf, an Gesten, an den Moment, als sie ging – aber ein entscheidender Satz fehlte.
„Ich weiß, dass sie etwas gesagt hat, das mich richtig getroffen hat. Aber ich weiß nicht mehr, was es war. Ich sehe die Szene, höre ihre Stimme – und dann ist da plötzlich Stille.“
Dieses Nicht-Erinnern quälte ihn. Er spürte, dass genau in dieser Lücke etwas steckte, das ihn emotional festhielt.
Hypnose als Weg zur Entlastung
In der ersten Sitzung stand nicht das Erinnern im Vordergrund, sondern das Loslassen. Daniel war ein Mensch, der alles kontrollieren wollte – Gedanken, Strukturen, Gefühle. Doch sein System war erschöpft.
Wir begannen mit einfachen Atemübungen und führten ihn in eine ruhige Trance.Er musste nichts festhalten, nichts leisten, einfach nur wahrnehmen.
„Ich hatte das Gefühl, mein Kopf atmet wieder“, beschrieb er später. „Und plötzlich waren da Bilder – ganz leise, fast zufällig.“
Wenn das Unterbewusstsein sich erinnert
In dieser Entspannung tauchten Bruchstücke auf:Das Gefühl einer Kellertreppe unter den Füßen, der Geruch nach Holzpolitur, das Rascheln von Zeitungspapier. Er notierte die Eindrücke, ohne sie zu bewerten.
Erst viel später, beim Umzug, passten die Bilder plötzlich zusammen – wie ein inneres Puzzleteil, das sich nachträglich einfügt.
„Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Erinnerungen vergraben habe – nicht nur die Kiste, auch in mir“, sagte er leise.
Das Passwort und der Satz
Zwei Wochen nach der zweiten Sitzung stellte sich Daniel vor, seine Gedanken wie Dokumente in einem großen inneren Archiv zu ordnen.In einem der „Ordner“ tauchte plötzlich eine Zahlen-Buchstaben-Kombination auf, die ihm vertraut vorkam.
Nach der Sitzung probierte er sie aus – und tatsächlich: Es war sein Login-Passwort.
Und fast gleichzeitig kam auch der vergessene Satz aus dem Streit mit seiner Ex-Partnerin zurück.Sie hatte damals gesagt:„Du bist nie da – selbst wenn du im Raum bist.“
Ein Satz, der tief traf, weil er seine innere Distanz spiegelte, die er so lange verdrängt hatte.
Er saß still da, Tränen in den Augen.„Jetzt verstehe ich. Nicht sie hat mich verlassen – ich war längst gegangen.“
Fazit
Hypnose kann keine Erinnerungen „herstellen“, aber sie kann helfen, den Druck zu lösen, der das Erinnern blockiert.Wenn der Geist ruhig wird, sortiert sich das Innere oft von selbst – und das, was verloren schien, taucht wieder auf.
Für Daniel bedeutete das nicht nur, ein Passwort und eine Kiste wiederzufinden, sondern auch Verständnis für sich selbst. Er sagte zum Abschluss:„Ich habe gelernt, dass Erinnern nichts mit Zwang zu tun hat – sondern mit Vertrauen.“
Im Vorfeld einer Hypnosetherapie bei Ängsten oder Zwängen solltest Du, wie bei anderen Anliegen auch, organische Ursachen für deine Beschwerden ausgeschlossen haben. Tobias` Fall ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie kraftvoll Hypnose sein kann, um das Leben eines Menschen positiv zu verändern. Mehr über Jojo Weiß.


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